1919-1999 80 Jahre "Harmonie" Chronik eines Marienthaler Gartenvereins mit wechselhafter Geschichte Vorwort 80 Jahre sind im Leben eines Menschen eine begnadete Zeit. In der Geschichte sind 80 Jahre oft nur ein Streif am Himmel. Aber Menschen, die 80 Jahre diese Geschichte miterlebten und gestalteten, haben dieses getan, um ihren Kindern und Kindeskindern nicht nur ein Erbe, sondern eine Lebensauffassung, eine Grundhaltung des Lebens, ein Lebensziel zu hinterlassen. Und somit ist diese Chronik von der Geschichte unseres Vereins nicht nur eine Widerspiegelung unserer Gesellschaftsordnungen - vom Kaiserreich, der Weimarer Republik, dem Faschismus, der Deutschen Demokratischen Republik, bis zur Bundesrepublik Deutschland, sondern auch der Wille der Kleingärtner, unabhängig der politischen Ordnungen und Situationen, ihren Interessen am Leben und in der Natur nachzugehen. In diesem Sinne bitte ich (Hasso Hoffmann) als Chronist verstanden zu werden, indem ich auf der Grundlage von Dokumenten, Sachzeugen und Notizen der vergangenen 80 Jahre das Leben und Wirken eines Vereins und deren Mitglieder des Zwickauer Stadtteiles Marienthal darstelle. Gründerjahre Kleingartenverein "Am Marienthaler Fußweg" 1916, inmitten des 1.Weltkrieges, begannen einige Familien auf dem Gelände des Ziegeleibesitzers Beyer in Zwickau-Marienthal zwischen dem Marienthaler Bach und dem Fußweg auf eine abgetragene Lehmmulde Mutterboden aufzutragen und kleingärtnerisch zu nutzen. Die Gärten hatten eine Größe von 150 - 200 m. Der Pachtpreis war, gemessen an der damaligen Einkommenshöhe, erstaunlich hoch. Beyer beauftragte zwei seiner Arbeiter 0,05 RM/m, also rund 10 RM. pro Jahr einzunehmen. Häufig kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den sogenannten "Geduldeten" und dem Besitzer an Grund und Boden. Beyer verhandelte nur mit den Gartenfreunden Ruby und Kurze, Paul. Außerdem sicherte er sich das Recht zu, bei Kündigung keine Entschädigung zahlen zu müssen, indem er keinen Laubenbau und keine Umzäunung gestattete. 1918 erschien das Landespachtzwangsgesetz, wonach eine kleingärtnerisch genutzte Fläche nicht gekündigt werden durfte. So lud Gartenfreund Viererbe 1919 54 Pächter in die Gaststätte "Grüne Wiese" ein. Die 47 erschienen Pächter gründeten einen Verein, der sich dem Schrebergartenverband e.V. der Stadt Zwickau anschloß. Nach der Vereinsgründung kündigte Beyer diese Flächen, klagte vor Gericht und verlor die Räumungsklage. Somit können wir das Jahr 1919 als Gründungszeitpunkt unserer Anlage annehmen. Mit viel Fleiß wurde das Gelände als Kleingartenanlage gestaltet. Wege wurden angelegt, Lauben gebaut, Beete hergerichtet. Bis 1923 erhöhte sich die Anzahl der aktiven Mitglieder auf 68 und der Passiven auf 15. Am 30.03.1923 um 10 Uhr versammelten sich 38 Kleingartenpächter in der Kleingartenanlage zur Besprechung zwecks Bildung eines eigenständigen Vereins entsprechend der Kleingartenpachtordnung vom 31.01.1919. Sie gaben sich den Namen "Kleingartenverein am Marienthaler Fußweg". Der Eintrag ins Vereinregister wurde beschlossen. Der Gesamtvorstand wurde einstimmig gewählt: -Heinrich Viererbe zum Vorsitzenden -Otto Lenk zum Stellvertreter -Paul Kurze zum Kassierer -Franz Noake zum Schriftführer. Aber erst am 22.10 1924 erfolgt die Eintragung als Verein beim Gericht. Unter der Losung "Schafft Daueranlagen - die Kinder weg von der Straße weg von den Hinterhöfen der geschachtelten Stadt" wurde mit Unterstützung des Gartenvereins "Nord - West" durch Gartenfreund Max Langer mit der Betreuung der Kinder begonnen. 1926 hatte der Verein bereits 72 aktive und 4 passive Mitglieder. Im Februar 1926 übernimmt der Weichenwärter Karl Otto Lenk den Vorsitz. Der Glasergehilfe Max Leistner wird sein Stellvertreter. 1926 - Wir geben uns den Namen "Harmonie" Am 22.8.1926 beschließt die Mitgliederversammlung die Namensänderung des Vereins, weil es zu Verwechslungen mit anderen Vereinen kam. So erhielten wir unseren heutigen Namen Kleingartenverein "Harmonie" e.V. Das Kleingartenglück währt aber nicht lange. Die große Massenarbeitslosigkeit 1928 nutzte der Ziegeleibesitzer Beyer erneut zu einer Räumungsklage, um auf dem stillgelegten Gelände erneut Lehm abzubauen. Er sagte zu, damit 60 Arbeiter einzustellen. Der geplante Kollergang wurde nie in Betrieb genommen, aber vor Gericht hatte er damit Erfolg. Im Februar 1929 erwirkte er eine einstweilige Verfügung. Das Gelände durfte nicht mehr betreten werden und einige Lauben wurden mit dem "Kuckuck" versiegelt. Nach heftigen Einspruch wurde erreicht, daß die Räumung bis Mai 1929 ausgesetzt wurde. Ohne einen Pfennig Entschädigung mußte das Gelände geräumt werden. Der Protest erzwang aber von der Stadt die Neuzuweisung von 26000m landwirtschaftlicher Nutzfläche unterhalb des Windberges, unserer heutigen Gartenanlage. 1929 - Umzug zum Windberg Lediglich 15 getreue Gartenfreunde zogen am Himmelfahrtstag 1929 unter Leitung des Vorsitzenden Otto Lenk und Bernhard Fasel um. Somit ist der Himmelfahrtstag für uns ein traditionsreicher Tag und ein Grund zum feiern. Als Kinder erlebten unsere Gartenfreunde Margot Sünder und Gerhard Gottschalch diesen Umzug mit. Die Erbauer unserer heutigen Anlage sind: Otto Beckmann, Paul Heinich, Arthur Müller, Gustav Biese, Karl Köhler, Willy Roth, Ernst Böhm, Max Leistner, Andreas Ruby, Ewald Diener, Otto Lenk, Paul Thümmler, Bernhard Fasel, Fanny Möckel, Johann Weiand Die Lauben wurden alle auf einem Platz zusammengestellt. Der erste Spatenstich erfolgte, die Parzellen wurden aufgeteilt. Dieses kleine Häuflein, fleißig wie die Bienen, aufrecht wie Patrioten, leisteten sprichwörtliche Pionierarbeit. Bis zum Herbst 1929 hatten sich dem Verein bereits weitere 28 Mitglieder angeschlossen. Obwohl jedes Mitglied mit der Gestaltung seines neuen Pachtgrundstückes zu tun hatte, wurden in echter Gemeinschaftsarbeit die Grundlagen für eine Dauerkleingartenanlage geschaffen. So wurde ein 36 Meter tiefer Brunnen gegraben. Bis in die Nacht wurde gearbeitet, damit im Frühjahr 1930 Wasser zur Verfügung stand. Dazu wurde ein Speicherbecken gebaut, welches durch ein Pumpenaggregat gespeist wurde und teilweise noch erhalten ist. Für die Einfriedung der Gärten wurden 570 laufende Meter niedrige Betonmauern gegossen und neue Wege angelegt, die mit roter Asche befestigt wurden. Aus dem Material einer auf Abbruch gekauften Scheune wurde mit dem Bau eines Gartenheimes begonnen. Alle Mitglieder halfen tatkräftig mit. Der Name "Harmonie" erwies sich wieder einmal zu recht. Schon im Sommer 1930 konnte die erste Mitgliederversammlung im neuen Heim durchgeführt werden. Wenn auch noch keine Außenwände standen, so war doch das Dach da. Sitzgelegenheiten mußte jeder selbst mitbringen. Was heute oft selbstverständlich erscheint, waren damals gewagte Schritte. Im Sommer 1930 wurde bereits das erste Sommer- und Kinderfest durchgeführt. Die Mitgliederzahl wuchs rasch an. Während der Verein im Sommer 1930 noch 28 Mitglieder zählte, waren es Ende des Jahres bereits 43 Mitglieder und ein Jahr später 77 aktive und 26 passive Mitglieder. Im Laufe des Sommers 1931 war die gesamte Anlage belegt. Der verdienstvolle Vorsitzende Otto Lenk verstarb leider nach einem Unfall auf seiner Arbeitsstelle, dem Bahnhof Zwickau, so daß Gartenfreund Fasel den Vorsitz übernahm. Um die Kinder wurde sich besonders von den Frauen gekümmert. Die Männer leisteten in schwerer Arbeit ihren Beitrag. Oft bis in die Nachtstunden errichteten sie im Grund einen Kinderspielplatz mit vier Schaukeln, Reck, Rundlauf und Wippe. Im Sommer wurde dann ein Kinderfest mit über 200 Kindern gefeiert, wie wir es uns vielleicht heute nochmals wünschen würden. Mit Sang und Klang ging es vom Stellplatz "Grüne Wiese" in Marienthal zur "Harmonie " am Windberg. Die Kinder kamen mit geschmückten Handwagen, Rollern und vielen Blumen. Auf dem Festplatz entwickelte sich ein fröhliches Leben mit vielen Spielen. Eine Attraktion war die von Gartenfreund Böhm und Müller gebaute Seilbahn über den Grund oder ein großes Heidelbeerkuchenessen, wozu einige Kinder, ohne die Hände zu benutzen, sich bis in die Mitte des Kuchens essen mußten. Aber auch die Gartenfreunde hatten mit schön geschmückten Gärten zur Feststimmung des Tages beigetragen. Einen besonders eindrucksvollen Anblick bot die Anlage bei Dunkelheit, als in allen Gärten bunte Lampions brannten. Mit einem Fackelumzug endete dieses schöne Fest. Leider verschlimmerte sich für viele Gartenfreunde die wirtschaftliche Lage durch die hohe Arbeitslosigkeit. Aber auch hier wurden wir dem Namen "Harmonie" gerecht, indem diese Gartenfreunde Pachtermäßigungen erhielten. Für die Arbeit mit den Kindern wurde viel getan. In den Wintermonaten gab es unter Anleitung der Gartenfreunde Schmidt und Ferner jeden Sonnabend Bastelstunden. Die Jungen beschäftigten sich mit Holzarbeiten und die Mädchen mit Handarbeiten. Auch wurde die erste Weihnachtsfeier für die Kinder durchgeführt, die diese selbst gestalteten. Von Knecht Ruprecht gab es Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten. Allerdings waren die Kinder damals noch sehr bescheiden, so da es leichter war auch mit kleinen Dingen Freude zu bereiten. Nach Weihnachten wurde der Christbaum verlost. In den Wintermonaten war das Gartenheim Treffpunkt vieler Familien. Oft war im Heim fast kein Platz mehr zu bekommen. Das würden wir uns heute öfter wünschen. 1933 - 1945 - Zeit des Faschismus 1933 übernimmt Friedrich Gustav Biese den Vorsitz des Vereins, doch bereits 1935 wird der Vorsitzende nicht mehr gewählt, sondern als Vereinsführer der Polizeihauptwachtmeister Albert Bode berufen. Die Satzung wurde geändert. Der Verein wurde Mitglied der Stadtgruppe Zwickau und der Landesgruppe Sachsen im Reichsbund der Kleingärtner und Siedler Deutschlands. Der Vorstand war der Vereinsführer, der vom Stadtgruppenführer zu berufen war. Bereits 1937 tritt Parteigenosse Bode zurück und Parteigenosse Kurt Wagner wird zum Vereinsführer berufen. Im Berufungsschreiben des Stadtgruppenführers heißt es:"Ich mache Ihnen peinlichste Geschäftsführung zur Pflicht. Ich erwarte weiter von Ihnen, daß Sie den Verein in einer Weise führen, wie es nach dem Willen des Führers im nationalsozialistischen Sinne erforderlich ist, der in den Maßnahmen und Anordnungen des Reichsbundführes zum Ausdruck kommt. Bei der Berufung Ihrer Mitarbeiter ist auf das Vorhandensein nationalistischen Gedankengutes und auf kleingärtnerisches Können besonderer Wert zu legen." In den Wirren des Krieges hat Gartenfreund Kurt Wagner von 1937 bis nach dem Kriege 1953 den Verein geführt. In jener Zeit erhielt die Gartenanlage ein wohldurchdachtes Rohrleitungsnetz für eine bessere Wasserversorgung. Die Kriegsjahre gingen auch an der "Harmonie" nicht spurlos vorüber. Erschütternd war es, wenn KZ-Insassen bzw. Zwangsarbeiter des Horch Werkes in unserer Gartenanlage unter Blumen und Sträuchern Schutz vor Fliegerangriffen suchten. Dabei wurden von den Verantwortlichen rücksichtslos Umzäunungen der Anlage weggerissen und die Nordseite zum Bau von Unterständen ausgewählt. Ausgebombte Familien unserer Anlage zogen ins Gartenheim. Ende April 1945 nahmen die Amerikaner Besitz von unserer Anlage. Tassen, Teller, Bestecke, Mobilar usw. nahmen die Mitglieder vom Heim in häusliche Verwahrung. Ideelle und materielle Werte wurden im emsigen Schaffen aller Mitglieder aus dem Nichts hervorgebracht, Hunger gestillt und Harmonie gepflegt. Nachkriegsjahre - eine schwere Zeit Eine für uns unvorstellbare Gegebenheit soll Zeuge dieser Hungerjahre sein. Ein alter Wagenkasten, zum Fabrikraum einer Konservierungsstätte umgebaut, gab täglich 250 Glas Obst- und Gemüsekonserven an die Mitglieder ab. Am 11.08.1949 konnte nach einer Generalrenovierung das Gartenheim wiedereröffnet werden. Zu dieser Wiedergeburt verhalfen besonders die Gartenfreunde: Ernst Böhm, Walter Hums, Max Thümmler, Bernhard Fasel, Hans Linsener sen., Wilhelm Vandrei, Max Hampel, Arthur Müller, Kurt Wagner, Kurt Hotzelmann, Podger u.v.a.m. Die Gartenanlage wurde in den Folgejahren mehrfach erweitert. So entstanden 1946 16 neue Gärten, 1949 kamen aus Bodenreformland weitere Gärten, 1953 erneut 30 Gärten und 1955 nochmals 29 Gärten dazu. Der Trend der Zeit, für die vielen Interessenten Gärten zu schaffen, bewegte den Vorstand, den "Grund" (Taleinschnitt hinter dem Gartenheim) kleingärtnerisch zu nutzen. Die alten Eichen wurden gefällt und am Hang entstanden neue Gärten. Durch auffüllen des Grundes entstanden ein schöner Kinderspielplatz und eine Ruhezone, woran Gartenfreund Vandrei großen Anteil hatte. Auch wurde ein neuer Werkstatt - und Lagerraum erforderlich und in Eigeninitiative errichtet. 1955 konnte eine landwirtschaftlich genutzte Fläche erworben werden, die von über 40 neuen Kleingärtnern genutzt wurde. Somit erreichten wir eine Gesamtzahl von über 160 Gärten, die bis heute fleißig und entsprechend dem Bundeskleingartengesetz bewirtschaftet werden. Aus den ehemals 15 Gartenfreunden, die zum Windberg umzogen wurden in diesen Jahren über 160 Mitglieder. Allein das zeugt von der harten Arbeit der Mitglieder und den Vorständen. Aber auch von der Tatsache, daß sich die Gartenfreunde in unserer Anlage wohlfühlen. Denn wer geht schon in einen Verein, wo man sich nicht wohlfühlt. Probleme gab es u.a. 1954, als uns der Bauer Heinrich 16 000m landwirtschaftlicher Nutzfläche zum Kauf anbot. Da die Anlage Nord - West und Sonnenland aufgelöst werden sollte, wollten wir mithelfen, diesen Gartenfreunden eine neue Zukunft zu geben. Es stellte sich aber heraus, daß weder unser Verein noch der Kreisverband das Grundstück kaufen durften, da beide keine Rechtsfähigkeit besaßen. Deshalb wurde der Beschluß gefaßt, daß die Gartenfreunde Vandrei und Nagel dieses Gelände im Auftrag des Vorstandes kaufen und dann an uns weiterverpachten, was auch geschah. In der Annahme der Verein sei 1923 gegründet worden, wurde am 30.und 31.Mai 1953 ein 30 jähriges Jubilum begangen. Zur Festveranstaltung bergab Gartenfreund Möckel, als Vertreter der neu hinzugekommenen Gärten, einen Hammer mit Widmung, damit sich der Vorstand immer Gehör verschaffen sollte. Leider ist der Hammer nicht mehr vorhanden. Gartenfreundin Roth trug zum ersten Mal ihr selbstverfaßtes Gedicht "Mei Harmonie" vor, welches vertont wurde und zur Uraufführung kam. Ebenso viel Beifall fand das Gedicht "Unnr Grund" und "De Pflichtarbeit". Die von Gartenfreund Wendler gegründete Volksmusikgruppe sorgte für die musikalische Umrahmung. Dem langjährigen Vorstand Kurt Wagner, der die "Harmonie" von 1938 bis 1953 leitete, wurde herzlich gedankt. Hatte er doch die Geschicke der Harmonie in den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren geleitet. Da die Mauern entlang der Wege zu verfallen drohten, wurde beschlossen, Lattenzäune zu bauen. Zur Beschaffung des Materials erfolgten Verhandlungen mit dem Forstamt in Hartenstein. Bald begann im Hartensteiner Forst ein emsiges Treiben. Die Leute von der "Harmonie" waren am Holzschlagen. Auch die Frauen beteiligten sich zahlreich. Sie ästeten die geschlagenen Bäume aus, die dann mit der Kreissäge zurechtgeschnitten wurden. Bis zum Herbst waren dann alle Zäune gebaut. Wiedereinmal zeigte sich der große Zusammenhalt der Harmoniemitglieder. 1953/1954 leitete Gartenfreund Wilhelm Vandrei die Geschicke des Vereins. 1955, im Februar, wurde Gartenfreund Arthur Gottschalch zum Vorsitzenden gewählt. In nahezu achtzehnjähriger zielstrebiger Arbeit führte er in Verbindung mit dem Gesamtvorstand bis 1978 treu und erfolgreich die Geschicke der Sparte. In dieser Periode wurde viel geschafft. Die Mitglieder unterteilten diese Zeit nicht nach Kalenderjahren, sondern sie sprachen von Bauabschnitten. Die markantesten Objekte dieser Zeit sind der zweimalige Um- und Ausbau des Gartenheimes, der Wegebau, die Erweiterung der Wasserleitung zu jedem Garten, das Lichtnetz mit Wegbeleuchtung, der Bau eines festen Außenzaunes und der Anschluß zum Fernsprechnetz der Post. Unser Gartenheim Das Gartenheim mußte mehrere Mal umgebaut und erweitert werden. Sollten doch recht viele Gartenfreunde Platz finden. Der erste Heimbau erfolgte 1930. Es war ein Holzbau. Die Balken stammten vom Kauf einer abgerissenen Scheune. Das Heim hatte eine Größe von 80 m. 1951 erfolgte die erste Erweiterung des Heimes. In fleißiger Arbeit konnte von Juni bis September der Anbau fertiggestellt werden. Zur Einweihung am 30.09.1951 erfolgte der Einzug. Roßwürste von ausgedienten Deichselhirschen, "organisiertes" Schweinefleisch und selbstgemachte Heringe für die Einweihungsfeier erinnern heute immer noch an die schwerüberstandene, aber immer in freudiger Gemeinschaft gemeisterte Zeit. 1953 wurde auch eine Zwischenwand eingebaut, damit nicht das gesamte Lokal im Winter geheizt werden mute. 1957 ergab eine Hygeniekontrolle erhebliche Mängel, die zur Schließung des Heimes führen konnten. Die Vorschrift besagte, daß Küche und Ausschankraum zu trennen sind, sowie zwei Kellerräume zur getrennten Aufbewahrung von Bier und Lebensmitteln vorhanden sein müssen. Der Entwurf sah vor, 3 mtr. in der Tiefe und 8 mtr. in der Breite zu bauen. Gartenfreund Bergner erstellte den Entwurf. Die Bauzeichnung wurde genehmigt und am 8.Juni 1957 erfolgte der erste Spatenstich. Nachdem das Kellergeschoß ausgebaut war, stellte sich heraus, daß die gesamten Unterzüge des Heimes total verfault waren. Gartenfreund Bergner legte daraufhin die Verantwortung für den Weiterbau nieder. Auf Vorschlag von Gartenfreund Hampel wurde der Architekt Wagner mit einem neuen Entwurf beauftragt. Nachdem alle Zeichnungen vorlagen, wurden die Bauarbeiten in drei Abschnitte unterteilt. Beim ersten Bauabschnitt im Jahre 1957 wurden von den Gartenfreunden 3311 Stunden im Nationalen Aufbauwerk geleistet und ein Wert von 6 630 M geschaffen. 1958 waren es 4293 Stunden mit einem Wert von 7 528 M. Im dritten Bauabschnitt 1959 - der endgültigen Fertigstellung des Heimes, wurden 3490 Stunden geleistet und ein Wert von 5 100 M erzielt. Das waren insgesamt 19 200 M, eine stolze Bilanz, die der damalige Vorsitzende Arthur Gottschalch ziehen konnte. Zur Heimweihe 1959, am 24.Oktober, wurde gesagt, daß dieses Heim nicht nur Vergnügungsstätte , sondern auch ein kultureller Mittelpunkt und Treffpunkt des Wohngebietes werden solle. 1957 wurden vom Rat der Stadt Zwickau 34 Mitglieder, 1958 45 Mitglieder und 1959 35 Gartenfreunde für die Leistungen im Nationalen Aufbauwerk geehrt. Für den Bau gilt der besondere Dank den Gartenfreunden Ernst Böhm und Bernhard Fasel. Gartenfreund Alfred Bley leistete 1958 allein 480 Aufbaustunden. Weitere aktive Gartenfreunde wie Franz Höfler, Willy Lösche, Walter Hums, Gerhard Beyer, Kurt Wagner, Erich Hochmuth, Max Thümmler, Karl Hahn, Ernst Fleischer sollen nicht unerwähnt bleiben. Viel Dank galt den Elektrikern Vandrei, Kober und Lorenz, die die gesamte Lichtanlage installierten und dem Gartenfreund Gerhard Gottschalch, der den letzten Schliff durch einen geschmackvollen Anstrich vollzog. Kulturarbeit in der "Harmonie" Im Kulturleben der "Harmonie" gab es zu dieser Zeit wenige Höhepunkte. Oft hing es von der Freude und Einsatzbereitschaft einzelner Gartenmitglieder ab, um andere mit zu begeistern. Harmonie heißt nicht nur übereinstimmendes, freundschaftliches, auf gegenseitige Hilfe und gute Nachbarschaft gegründetes Zusammenwirken im Bestreben, eine ertragreiche und erholsame Gartenanlage zu schaffen, sondern Harmonie ist ebenso Zusammenklingen und Wohlklang von Singstimmen und Musikinstrumenten. Wenn auch schon in den ersten Jahren nach der Gründung der "Harmonie" gelegentlich gesungen und musiziert wurde, so kam es erst im Jahre 1953 zur Bildung eines gemischten Chores mit 18 Gartenmitgliedern. Es waren dies: Herr und Frau Roth, Herr und Frau Weck, Herr und Frau Wolf, Herr und Frau Wendler mit Sohn Fredo, Frau Müller, Frau Beyer, Frau Neuhof, Frau Hochmut, Frau Kellner, Herr Wiesner. Unter der erfahrenen Leitung des Gartenfreundes Weck sang der Chor in anerkennenswerter Weise vorwiegend Heimat- und Volkslieder. Mitgliederversammlungen und andere Zusammenkünfte sind mit musikalischen Darbietungen umrahmt worden. Nach zehnjährigem erfolgreichen Wirken ging diese Chorarbeit zu Ende. Dabei soll nicht vergessen werden, daß Gartenfreundin Roth der Singegruppe das Lied "Mei Harmonie" widmete. Die Melodie schuf der Leiter der Singegruppe Gartenfreund Weck. Außerdem stifteten Frau Roth und ihre Freundin Neuhof anläßlich des einjährigen Bestehens der Singegruppe den heute noch erhaltenen Gedenkwimpel und eine Schleife mit der Aufschrift "Harmonie hält uns zusammen". Anfang und Mitte der fünfziger Jahre erfreuten eine Mundharmonika- und Zittergruppe mit ihren Volksweisen die Gartenfreunde beim gemütlichen Zusammensein. Im Jahre 1969 erklärte sich Gartenfreund Freitag bereit, das 50 jährige Jubiläum der Kleingartenanlage "Harmonie" musikalisch-literarisch zu gestalten. Der Vorstand unterstützte diese Initiative und rief zur Mitarbeit auf. Es meldeten sich einige Gartenfreunde, die mit Hingabe und Einsatzbereitschaft das Festprogramm einstudierten und festliche Musik von Mendelsohn-Bartholdy und Ch. W. Gluck für 2 Violinen sowie Klavierstücke, Rezitationen und Gesangdarbietungen zum Vortrag brachten. Die Feierstunde klang mit dem Lied "Mei Harmonie" aus. Dem Leiter der Kulturgruppe war zunächst nicht bekannt, daß es zum Text "Mei Harmonie " bereits eine Singstimme gab. Er wandte sich deshalb an den langjährigen Kappellmeister des Lindenhofvaritees Erwin Pollini mit der Bitte, das Gedicht zu vertonen. So sind jetzt zwei Melodien zum Harmonielied vorhanden. Es bleibt allen Gartenfreunden der "Harmonie" vorbehalten, welche von beiden Melodien die schönere ist ,wenn gemeinsam gesungen werden sollte. Das erste Auftreten der Kulturgruppe am 20. September 1969 wurde mit viel Beifall und Zustimmumg aufgenommen. Der Gartenvorstand wünschte sich, daß die Kulturgruppe noch viele Veranstaltungen umrahmen möge. Diesem Wunsch ist die Kulturgruppe mit den Gartenfreundinnen Häcker, Heinze, Langer, Ludwig, Mann, Petra Ay, Neuber, Trommer, Wendler, Freitag und den Gartenfreunden Otto Wendler, Werner Freitag und Sohn Wolfgang nachgekommen. Bis Ende 1972 wurden Festveranstaltungen, Weihnachtsfeiern und Gartenfeste mitgestaltet. Leider konnte Gartenfreund Freitag aus gesundheitlichen Gründen die Arbeit der Kulturgruppe nicht fortführen. Es bleibt zu wünschen, daß sich Kulturliebhaber finden, die die Traditionen der "Harmonie" fortführen. 1973 übernahm Gartenfreund Manfred Opitz den Vorsitz, den er nach zwei Jahren an Gartenfreund Siegfried Riedel übergab. Von 1979 bis 1986 wurde eine jüngere Generation mit der Vorstandsschaft beauftragt. Gartenfreund Hans Linsener jun., der nach 1985 zum Vorsitzenden des Verbandes der Kleingärtner- und Siedler der Stadt Zwickau gewählt wurde, führte mit Elan die Geschäfte. 1988 war Hans Linsener Delegierter des VI. Verbandstages des VKSK. Gartenfreund Wolfgang Weithaas, bis 1988 Vorsitzender, mußte leider aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz aufgeben. Danach übernahm Gartenfreund Hasso Hoffmann die Funktion des Vorsitzenden. Mit einem verringerten Vorstand von nur vier Gartenmitgliedern, den Gartenfreunden Paul Moll, Walter Reitz und Beate Schubert wurden erfolgreich die Aufgaben vor und nach der Wende gemeistert und der Verein in eine neue Epoche der Zeitgeschichte geführt. 1960 - 1990 In den 60'er, 70`er und 80`er Jahren wurde eine erfolgreich Arbeit im Sinne des Kleingartenwesens geleistet. Diese Zeit war auch geprägt von wirtschaftlichen Leistungskarten, die den Anteil jedes Kleingärtners zum Anbau von Beeren, Obst und Gemse dokumentierte. Die Leistungskarten wurden 1963 eingeführt und bis in die achtziger Jahre beibehalten. Dabei wurde nicht nur der Eigenbedarf des Kleingärtners erfaßt, sondern auch nachgewiesen, wieviel Obst und Gemüse frisch auf den Tisch dem Handel zugeführt wurde. Die Kleingärtner waren somit eine geplante Größe in der Volkswirtschaft der DDR. So erzeugten 1962 die Kleingärtner der "Harmonie" 196 kg Gemüse, 2840 kg Beeren und 6346 kg Obst, die an den Handel oder Verwandte abgegeben wurden (vgl. Anlage). Allein 1965 wurden 25374 kg Obst und Gemüüse geerntet, darunter 3466 kg Erdbeeren und 11705 kg Kernobst. Aber auch Geflügel, Kaninchen und Felle wurden abgeliefert. Insgesamt wurde 1965 ein Wert an Obst, Gemüse und Fleisch von 27 649,30 Mark geschaffen. An städtische Heime wurden regelmäßig Naturalspenden an Obst und Gemüse abgegeben. Bei einer Obstbaumzählung 1965 kam eine erstaunliche Anzahl zusammen. So gab es: 211 Apfelbäume, 399 Birnenbäume, 221 Kirschbäume, 328 Pflaumenbäume, 2052 Johannes -und Stachelbeersträucher. Auf 4858 m wurden Erd- und Himbeeren angebaut. Noch 1988 wurden im Verein 142 Kaninchen geschlachtet, wovon 92 Tiere an den Handel abgeliefert wurden. Es gab in den 165 Gärten immerhin 129 Gewächshäuser und Frühbeete. In den Jahren von 1960 bis 1990 wurde viel geschaffen. So wurden z.B. 1962 100 Meter Zaun gebaut und 410 Meter Wasserleitung verlegt. In den Folgejahren wurde der Grund mit Sträuchern bepflanzt, ein Ventilator im Heim eingebaut, 60 Meter Schleuse gelegt, die Küche des Heimes renoviert und das Heim neu gestrichen, eine neue Wippe für die Kinder gebaut, ein neues Erdkabel zum Heim verlegt und eine Zählertafel installiert (Gartenfreund Vandrei und Kober), die Werkstatt fertiggestellt und vieles mehr. In diesen Jahren wurde auch eine ausgezeichnete Fachberatung durchgeführt. Besonders erwähnt werden soll Gartenfreund Fritz Richter, der viele Vorträge hielt und organisierte. So u.a. zu Apfelsorten, Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz, Kompostierung, Obstbaumschnitt, Schädlingsbekämpfung, Bienenzucht, Erdbeeranbau und vieles mehr. Leider finden sich heute immer weniger Gartenfreunde, die bereit sind, ihre reichen Erfahrungen in jahrzehntelanger Kleingartenarbeit an andere Gartenfreunde weiterzugeben. Im Gartenheim war eigentlich in dieser Zeit ein recht reger Betrieb. So gab es regelmäßig Tanz - und Gesellschaftsabende, Sylvesterfeiern, Fasching, Himmelfahrts- und 1.Mai Feiern, Sommer- und Kinderfeste, Weihnachtsfeiern für Kinder und Senioren. Die sich entwickelnde Gastronomie ging auch nicht an unserem Gartenheim vorbei. Die steigenden Ansprüche der Gartenfreunde erforderten, von der Bewirtschaftung durch Gartenmitglieder abzugehen und das Angebot zu erhöhen. Trotzdem erinnern sich die alten Gartenfreunde noch gern an die Zeiten, als Gfrd. Ludwig, die Frauen Gottschalch, Vandrei, Mann und unsere Gartenfreundin Linda Heinze hinter dem Tresen standen, Fischln, Sülze und Bockwürste verkauften. Als erstes Ehepaar bernahmen Paul und Herta Junk das Heim, ihnen folgten Lothar und Anneliese Schubert. Der Umsatz wurde erheblich gesteigert, obwohl das Glas Bier aus der Greizer Brauerei nur 50 Pfennige kostete. Jährlich wurde ein Kultur- und Veranstaltungsplan aufgestellt. Fast alle Gartenmitglieder halfen bei Gartenfesten mit und trugen zum Gelingen mancher Veranstaltung bei. Am 20. September 1969 wurde anläßlich des 50 jährigen Bestehens der "Harmonie" eine Festveranstaltung durchgeführt, die musikalisch von der Kulturgruppe unter Leitung von Gartenfreund Freitag und Wendler umrahmt wurde. Die Festansprache wurde vom langjährigen Vorsitzenden Arthur Gottschalch gehalten. Auch eine erste Chronik wurde erarbeitet und gedruckt, die Gartenfreund Hartmann erstellte. Am 28.7.1989 fand eine Festveranstaltung, sowie ein großes Garten- und Kinderfest anläßlich des 70. Jahrestages der "Harmonie" statt. Der damalige Umweltbürgermeister der Stadt Zwickau, Dr. Werner, überbrachte die Glückwünsche des Oberbrgermeisters. Er überreichte das Zwickauer Stadtwappen. Der ehemalige Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Weithaas, wurde mit der Ehrennadel des VKSK in Silber geehrt. Die Festansprache hielt der Vorsitzende Hasso Hoffmann. Er würdigte die Leistungen der Gartenfreunde, die in 70 Jahren unter dem Namen "Harmonie" mit viel Fleiß und in harmonischer Gemeinsamkeit, zum Wohle der Gemeinschaft, große Leistungen vollbrachten. Mit einem Blumenstrauß wurden unsere Gartenfreunde Margot Sünder und Gerhard Gottschalch geehrt. Sie hatten als Kinder den Umzug vom Marienthaler Fußweg zum Windberg 1929 miterlebt. In der Festansprache wurde zitiert: "Unser Land hat viele Hände Der Einzelne hat zwei Wer seine Welt verändert braucht jede Hand dabei." In diesem Sinne haben die Gartenmitglieder der "Harmonie" 1989 über 1200 Stunden an freiwilliger gemeinnütziger Arbeit zur Erhaltung, Pflege und Verschönerung der Gartenanlage geleistet. Auch eine politische Wende wie 1933, 1945 und 1990 konnte den Willen der Kleingärtner unseres Vereins keinen Schaden tun. Kommen wir doch unserer Passion unabhängig von der politischen Lage nach. Wir sind Kleingärtner, haben Freude am Werden und Wachsen der Natur, erfreuen uns an jeder blühenden Blume, an selbstgepflanzten und geernteten Gemüse, an frischem Obst und Beeren, an frischer Luft und strahlender Sonne, genießen die Ruhe der Natur und den Gesang der Vögel in den frühen Morgenstunden. Jede Stunde Arbeit, die wir in unserem Garten oder für unsere Gemeinschaft leisten, leisten wir für unsere Überzeugung, Kleingärtner zu sein. 1990 - Wende und Aufbruch Es war nicht einfach, die Wende 1990 zu meistern. Die neue Demokratie brachte auch eine Vielzahl Veränderungen und brokratischer Verwaltungsakte mit sich, die wir erlernen mußten. Doch alle neuen Hürden wurden genommen. Am 3.Juli 1990 wurden wir mit der Nr.32 als einer der ersten Vereine in Zwickau in des Vereinsregister des Gerichtes eingetragen. Bereits im April traten wir dem Stadtverband der Kleingärtner und Siedler der Stadt Zwickau bei. Unsere erste Satzung im neuen Staat mußte erarbeitet, beschlossen und vom Gericht anerkannt werden. Um Sachkenntnis zu erlangen, setzten wir uns mit dem Stadtverband der Kleingärtner in Hof in Verbindung und nahmen an der Jahreshauptversammlung teil. Dieser Erfahrungsaustausch unter Kleingärtnern hat uns geholfen, das Bundeskleingartengesetz besser zu verstehen. Gab es doch viele offene Fragen - wie groß darf der Garten und die Laube sein, darf ich mein Gewächshaus und den Schuppen behalten, gibt es neue Pachtverträge, wie hoch wird die Pacht werden u.s.w. Mit viel Zeitaufwand und Fleiß mute sich der Vorstand in die neuen Gesetzlichkeiten und Bestimmungen einarbeiten. Viel Geduld war notwendig, um unseren Mitgliedern die neuen Gesetze und notwendigen Beschlüsse zu erläutern. Nach der Eintragung als gemeinnütziger Verein bei Gericht galt es noch einige weitere Hürden zu meistern. So mußte bei der Stadtverwaltung die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit beantragt werden, die an bestimmte Bedingungen gebunden ist. Mit der Nichtanerkennung hätten dem Verein hohe Kosten bei der Pacht entstehen können, wird doch kleingärtnerisch genutztes Land mit einer weitaus geringeren Pacht belegt als Erholungsgärten. Es war auch mit der neuen Freiheit oft nicht einfach. Einige Mitglieder, die ihren Garten nicht vorwiegend kleingärtnerisch nutzen wollten, sondern einen reinen Erholungsgarten wie einen Privatgarten gestalten wollten, mußten überzeugt werden. Zum Schluß brauchten wir dann noch vom Finanzamt den Freistellungsbescheid zur Körperschaft-, Gewerbe- und Vermögenssteuer. Doch auch diese Hürde wurde geschafft. Nun aber galt es, an die weitere Arbeit in unserer Gartenanlage zu gehen. Es zeigte sich, auch nach der politischen Wende waren und sind viele Gartenmitglieder weiterhin sehr aktiv. Auch wenn Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe in unserem Verein sich ebenso bemerkbar machte, wie eine historisch gewachsene Anzahl älterer Gartenmitglieder, konnten alle Probleme gelöst werden. Mit Stolz können wir auf eine schöne und attraktive Anlage blicken. Viele Besucher unserer Anlage bestätigen uns das. Wird doch von vielen Fußgängern sowie Schul- und Kindergartengruppen über den alten Marienthaler Fußweg der Weg durch unsere Gartenanlage zum Weisenborner Wald genutzt. Welche fleißige Arbeit in den Jahren nach der Wende geleistet wurde, sollen einige Beispiele belegen. Nicht unerwähnt bleiben soll, daß uns das Garten- und Friedhofsamt der Stadt Zwickau und der Stadtverband der Kleingrtner aktiv unterstützten. Das Hauptprojekt bildete und bildet der Wasserleitungsbau. Innerhalb von fünf Jahren wurde in Zusammenarbeit mit der Sanitärfirma Seidel und der Tiefbaufirma Günther ein vollkommen neues Wasserleitungsnetz für 165 Grten und eine neue Hauptwasserleitung zum Gartenheim mit einem Wert von über 75 000 DM geschaffen. Den Gartenfreunden Moll und Eisenreich sei herzlich für ihre dabei geleistete Arbeit gedankt. 1992 wurden alle Gärten mit einer Wasseruhr ausgestattet, damit verbrauchsabhängig abgerechnet werden konnte. Aber nicht nur eine neue Wasserleitung wurde gebaut, an der sich mit jährlichen Umlagen die Gartenmitglieder finanziell beteiligten, sondern auch selbst tatkräftig mithalfen. 1993 konnten wir unseren Hauptweg für 11 000 DM mit einer neuen Bitumendecke überziehen. Die Sanitäranlagen in der Heimgaststätte, neue Öfen und Rekonstruktionsmanahmen in der Küche und deren Ausstattung kosteten uns über 18000 DM. Nicht zuletzt wurde das Dach des Heimes in eigener Arbeit besonders durch die Gartenfreunde Georg Ludwig, Gerd Ay und Ralf Brehmer mit einem Wert von über 14 000 DM neu eingedeckt. Auch unser Parkplatz wurde neu gestaltet. Eines der schönsten Projekte war aber der Bau eines neuen Kinderspielplatzes durch großzügige materielle und finanzielle Unterstützung durch das Garten- und Friedhofsamt. Dieser neue Kinderspielplatz ist nicht nur Anziehungspunkt für unsere Harmoniekinder, sondern auch für Schul- und Kindergartengruppen aus Marienthal. Wenn wir uns den Wert veranschaulichen, den unsere kleine Gemeinschaft in nur 9 Jahren geschaffen hat, dann kann das nur mit außerordentlicher Achtung bedacht werden. Allein die jährlichen Pflichtstunden, die zur Pflege der Anlage, zum Wegebau, der Pflege der Grünflächen, Erhaltung der elektrischen Anlage und der Außenzäune u.v.m. geleistet wurden betragen bei einem Stundenlohn von nur 10 DM einen Wert von über 72 000 DM. Insgesamt wurde damit in den Jahren nach der Wende ein Wert von über 220 000 DM geschaffen. Das kann sich wohl sehen lassen und darauf können wir stolz sein. Besonders erwähnt werden sollen in dieser Zeit die Gartenfreunde: Paul Moll, Wolfgang Eisenreich, Georg Ludwig, die Elektriker Siegfried Werner, Manfred Kober, aber auch die Mitglieder des Vorstandes Hasso Hoffmann, Walter Reitz, Gerd Ay, Paul Moll und besonders unsere Kassiererin Beate Schubert, die es verstand, mit viel Fleiß und Sachkenntnis über die Wende hinweg und danach richtig mit dem Geld der "Harmonie" umzugehen. Großer Dank gebührt ebenfalls dem langjährigem Vorsitzenden unserer Revisionskommission Herbert Zumpe, der für die Vorstandsarbeit bereits von 1964 bis 1974 den Wirtschaftsausschuß leitete und für die Bewirtschaftung des Heimes zuständig war. 80 Jahre sind in der Geschichte der Menschheit nur ein kleiner Abschnitt. Im Leben eines Menschen aber bedeuten sie sehr viel. Das Leben unserer Gartenanlage wurde von drei Generationen gestaltet. So wie die Entwicklung der Gartenanlage ,erlebten unsere Gartenfreunde den ersten Weltkrieg mit, lernten die Hungerjahre nach dem Krieg kennen, ebenso wie die Weimaer Republik, die große Massenarbeitslosigkeit und die Weltwirtschaftskrise, wie die Zeit des zweiten Weltkrieges, die Zeit des Faschismus und wiederum schwere Nachkriegsjahre, erlebten den Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik mit und auch deren Untergang. Wieder in einer neuen Gesellschaft gestalten sie weiter ihr Leben, ihr Leben als Kleingärtner aus Passion. Wir tragen den Namen "Harmonie", dieser Name ist allen Gartenfreunden zur Verpflichtung geworden. Schlußbemerkungen Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Personen, die durch Dokumente, Fotos oder Erlebnisberichte zur Erweiterung der Chronik beitragen können, wenden sich bitte an den Vorstand. Gedankt wird allen Gartenfreunden, die mit Rat und Tat, mit Fotos und Dokumenten mitgeholfen haben, diese Chronik und die Dokumentensammlung zu gestalten. Besonderer Dank gilt den Gartenfreunden Freitag, Linsener sen. und jun., Gottschalch und Lösche sowie den Gartenfreundinnen Sünder, Hums, Häcker und Zumpe. Gfrd. Dieter Langer bergab uns Dokumente, die er im Keller des Gartenheimes fand. Freundlicherweise übernahm Gfrd. Hans Linsener jun. die redaktionelle Bearbeitung der Chronik. ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ Die vorstehende Chronik wurde am 30.07.1999 von unserem damaligen 1.Vorsitzenden Hasso Hoffmann erstellt und zur Festveranstaltung „80 Jahre Harmonie“ ausgegeben. übrigends wurde auch eine riesige in Leder gebundene Chronik mit Dokumenten und Fotos von ihm erarbeitet, die zum Gartenfest am 31.7./1.8.1999 im Gartenheim zu sehen war und vom jetzigen Vorstand zur allgemeinen Einsichtnahme verwahrt wird. Es ist nunmehr unsere gemeinsame und ehrenvolle Aufgabe, diese Chronik bis 2009 anläßlich „90 Jahre Harmonie“ entsprechend zu vervollständigen und zu veröffentlichen. Wünschen wir uns hierzu viel Erfolg! H.L. |